Pelztragend für mehr Tierschutz demonstrieren – geht das?

Mit Pelz auf die Demo für mehr Tierwohl - ist das ok?

BERLIN (as) – Was in den 80er und 90er Jahren undenkbar gewesen wäre, ist heute allgegenwärtige Realität: PELZ.
Sie sind aus den Bekleidungsläden mit aktueller Mode nicht weg zu denken, im Gegenteil, es scheint immer mehr zu werden.

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“Es ist erstaunlich wie sich der Pelz wieder derart etablieren konnte – ob an Rucksäcken als hängender Bommel, auf Mützen und Kappen – und ganz beliebt, als wehendes Accesoire an Jacken um den Kapuzenbereich.” sagt Pascal Hug, Gründer von DOGS GUARD, der sich gegen die Pelzindustrie stellt, da häufig auch Hundehaar aus China in den Produkten mitverarbeitet wird.

Der Deutsche Tierschutzbund und die Stiftung Vier Pfoten hatten bereits 2016 Probekäufe gemacht, hiefür gingen sie in Geschäften und auf Weihnachtsmärkten shoppen.
Dabei kam heraus, dass bei 44 von 49 Textilteilen mit Echtpelz die Deklaration hierzu fehlte.
Der Verbrauch konnte also nicht wissen ob es Echtpelz oder Kunstpelz sei.
Wenn eine Mütze dann noch mit echtem Pelz-Bommel als ‘100 Prozent Acryl’ gekennzeichnet wird, dann ist dies zudem eine Verbrauchertäuschung, die leider nicht selten vorkommt.

Grund dafür ist unter anderem, dass gut gemachter Kunstpelz oft teurer ist als Echtpelz – so zum Beispiel der Marderhund, der in China billig gezüchtet und oft bei lebendigem Leib das Fell abgezogen bekommt.
Doch das alles scheint heute keinen mehr zu interessieren, im Gegenteil, posierte in den 80er Jahren das Topmodel Naomi Campbell noch für PETA und der Aktion “Lieber nackt als mit Pelz”, so trägt diese mittlerweile auch wieder offen Pelz.

Viele werden sich sicher damit beruhigen wollen, dass es sich bei ihrem Modell ja sicher um Kunstpelz handeln würde, dennoch ist bekannt, dass auch dort oft Echtfell verarbeitet wird, Schuld daran ist die misserable Kennzeichnungspflicht für solche Produkte.

Im Internet scheuen sich selbst angebliche Tierliebhaber und Tierschützer nicht einmal mehr, sich mit Pelz ablichten zu lassen.
Einen Fauxpass, den sich jüngst ein junger Blogger, der sich Neverforgetniki leistete:

Statt sich dann zumindest offen mit den Kritikern einzulassen, die den Jungen darauf hinwiesen, werden Beiträge auf der Seite gelöscht und Personen gesperrt.
Ein eigentlich typisches Phänomen einer “Snowflake-Gesellschaft”.

Leider kein Einzelfall – auf einem Live Video von Stefan Bernhard Eck MEP vom 19.01.2019, waren ebenfalls mit (Kunst-?)Pelz besetzte Demonstranten, die sich für den Tierschutz in Berlin einsetzen wollen.

Stefan Bernhard Eck leistet sicher eine herrvoragende Arbeit für den Tierschutz, keine Frage, doch genau diese, sich häufenden Vorfälle, werden seine Argumentationen erschweren.
Es wird dabei auch egal sein, ob es sich tatsächlich um Kunstpelz handelt, alleine die Suggestion, dass Pelztragen ok ist, scheint in Bezug auf Tierschutzaktionen etwas konträr.

Pascal Hug, von DOGS GUARD zu Berlin-DJM: “Es ist genau diese Inkonsequenz, die jegliche Sache ad absurdum führt. Wasser predigen und Wein trinken führt nur zu Problemen, nie zu Lösungen. Gerade beim Tierschutz ist es dann kein Wunder, dass man über ernsthaften Tierschutz lacht, da man aufgrund der Erfahrungen mit solchen ´Tierschützern´ nur schwer eine Basis findet.”

 

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